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Tuina- und Moxa-Therapie

Ausführliche Information


Traditionelle Chinesische Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet den Menschen als Teil eines kosmischen und energetischen Gefüges. Der Mensch lebt zwischen Himmel und Erde, zwischen den Polen Yin und Yang.

Die TCM versteht Krankheit als Folge einer Disharmonie oder Entgleisung des energetischen Gesamtgefüges des menschlichen Individuums. Daher interessiert sie sich für alle energetischen Phänomene, für die aktiven Lebensäußerungen, für die Emotionen und vitalen Körperfunktionen, weil sie solche Disharmonien anzeigen können.

Die Energie durchströmt den Körper, so wie Flüsse eine Landschaft durchströmen. Die Chinesen nennen dieses Energiefeld Qi (sprich: dschi). Diese Energie fließt nach chinesischen Erfahrungen in bestimmten Meridianen. Diese Überziehen die Körperoberfläche als geschlossener Kreislauf von der Körpermitte zu Fingern bzw. Zehen und wieder zurück.

Es gibt zunächst 12 Meridiane, die einer bestimmten Körperfunktion (=Körperorgan) zugeordnet sind. Diese Meridiane treten jeweils auf der linken und rechten Körperhälfte auf. Außerdem existieren zwei unpaarige Meridiane in der Körpermittellinie. Der Unterschied zwischen chinesischer und westlicher Medizin ist, daß man in China schon sehr früh erkannte, daß sich Störungen aus dem Körperinneren an der Körperhülle zeigen können, und daß man umgekehrt innere Erkrankungen von der Körperoberfläche aus behandeln kann. Außerdem hat die TCM schon früh Zusammenhänge zwischen Emotionen und körperlichen Symptomen erkannt. Die Lebenssituation des Menschen, seine Stimmungen, Äußerungen und Krankheiten sind Ausdruck seines energetischen Zustandes, seiner Qi-Verteilung im Körper.

So kann sich eine permanent unterdrückte Wut durch Beschwerden im Verlauf des Gallen-Meridians äußern. Durch weitere krankheitsauslösende und verstärkende Faktoren (z.B. Wind) können die Symptome in die Tiefe gehen und zu einer "echten" Organschädigung führen. Die Differenzierung, ob die Symptome im Verlauf des Meridians Folge einer inneren Erkrankung sind, oder ob es sich um ein "oberflächliches" Symptom handelt, ist Teil des ausgeklügelten Diagnosevorganges.

Befunderhebung

Für die Sammlung der Befunde stehen dem chinesischen Arzt vier Verfahren zur Verfügung:

  • Betrachtung:
    Der Arzt sieht sich die Haut des Patienten an, beurteilt ihre Färbung. Besondere Aufschlüsse aber erhält er aus Färbung und Belag der Zunge.
  • Riechen und Hören:
    Auch die Stimme des Patienten und der Körpergeruch, den er ausströmt, dienen der Diagnosefindung des Arztes.
  • Betastung:
    Das Auffinden druckempfindlicher Körperstellen läßt Rückschlüsse auf beteiligte Meridiane zu. Wesentliches Element der Tastuntersuchung ist die Pulsdiagnose, die dem chinesisch denkenden Mediziner eine Fülle von Rückschlüssen erlaubt.
    Nur um einen Eindruck der Differenziertheit der Pulsdiagnose zu gewinnen: folgende Pulsarten werden unterschieden: oberflächlich, tief, langsam, beschleunigt, erschöpft, prall, schlüpfrig, rauh, lang, kurz, überflutend, groß, verschwindend, gespannt, behäbig, saitenförmig, zwiebelstengelförmig, trommelnd, haftend, sanft, weich, schwächlich, zerfließend, zart, klein, sich verkriechend, beweglich, jagend, hängend, intermittierend, rasend.
  • Befragung:
    Durch die Äußerungen des Patienten über seine Beschwerden, seine psychische Verfassung, seine Verdauung, seine Vorlieben und Abneigungen wird das Befundbild abgerundet.
Die Ergebnisse der Untersuchung werden nach den Acht Leitkriterien systematisiert. Es wird festgestellt,
  • ob die Störung im Bereich von Yin oder Yang liegt,
  • ob die Krankheit ihren Sitz an der Oberfläche oder in der Tiefe des Körperinneren hat,
  • ob eine Hitze- oder eine Kälteproblematik vorliegt, und
  • ob es sich um ein Mangel- (=Leere)- oder ein Überschuß-(=Fülle)-Problem handelt.
Es wird ferner festgestellt, welcher Funktionskreis (=Meridian) betroffen ist, und welches die krankheitsauslösenden Faktoren sind (insbesondere die Emotionen und die klimatischen Einflüsse).

Auswertung

Die Auswertung der Beobachtungen geschieht nach uns befremdlich und unwissenschaftlich anmutenden Regeln, deren Logik oft erst auf den zweiten Blick einsichtig wird. Die Befunde werden u.a. nach der "Fünf-Elemente-Lehre" systematisiert.

Die Hervorbringungs- (oder Erzeugungs-) Reihenfolge lautet:
Holz erzeugt Feuer, Feuer erzeugt Erde, Erde erzeugt Metall, Metall erzeugt Wasser, und Wasser wiederum erzeugt Holz.

Nach der Zerstörungs- (oder Bändigungs-) Reihenfolge gilt:
Holz bändigt Erde, Erde bändigt Wasser, Wasser bändigt Feuer, Feuer bändigt Metall, und Metall wiederum bändigt Holz.

Wie genau diese Regeln sind zeigen ihre Anwendungen auf die psychischen Reaktionen, denn nach der Reihenfolge der Hervorbringung kann man beispielsweise sehen:
Zorn (Holz) bringt Lust (Feuer) hervor, Lust bringt Nachdenken (Erde) hervor, Nachdenken bringt Kummer (Metall) hervor, Kummer bringt Furcht (Wasser) hervor; und schließlich Furcht bringt Zorn hervor.

Oder die Bezwingungsreihenfolge:
Zorn bezwingt Nachdenken, Nachdenken bezwingt Furcht, Furcht bezwingt Lust, Lust bezwingt Kummer, Kummer bezwingt Zorn.

Übersicht über einige Korrespondenzen der TCM
(farbliche Hervorhebungen für Beispiele aus dem Text)
Element Farbe Geruch Stimme Geschmack Emotion Klima Tageszeit Jahreszeit Öffner Meridian
Holz grün, blau Urin, saurer Schweiß Rufen sauer Wut, Zorn Wind vor Sonnenaufgang Frühling Auge Galle
Feuer rot verbrannt Lachen bitter Freude, Schreck Hitze Vormittag Sommer Zunge Herz/
Dünndarm
Erde gelb wohlriechend Singen süß Nachdenken, Grübeln Feuchtigkeit Nachmittag Nachsommer Wange, Lippe Milz-Pankreas/
Magen
Metall weiß rohes Fleisch, roher Fisch Weinen scharf Trauer, Sorge, Kummer Trockenheit Spätnachmittag Herbst Nase Lunge/
Dickdarm
Wasser schwarz faulig Stöhnen salzig Angst Kälte vor Mitternacht Winter Ohr Niere/
Blase

Porkert (Die chinesische Medizin, Düsseldorf, Wien 1986) nennt ein einfaches Beispiel, das für etwas mehr Verständnis für das chinesische Denken sorgen soll: Nehmen wir an wir treffen auf dem Flughafen einen Bekannten, der uns erklärt, er habe "wahnsinnige Angst vor dem Fliegen". Wir werden ihm entgegnen, diese Angst sei völlig unbegründet, sei doch das Flugzeug eins der sichersten Verkehrsmittel überhaupt, im Straßenverkehr geschehen viel mehr Unfälle. Dadurch haben wir versucht, unseren Gesprächspartner zum Nachdenken anzuregen und ihn so von seiner Flugangst zu befreien. Nichts anderes sagt "Nachdenken bezwingt Furcht" aus der Bezwingungsreihenfolge.

Während der westliche Arzt die Flugangst isoliert als psychisches Problem sieht und folglich psychotherapeutisch behandeln wird, gibt es für den chinesischen Mediziner diese Trennung von Körper und Geist nicht. Also wird er eine ganzheitliche Diagnose stellen.

Für ihn deutet eine übermäßige Angst auf eine Störung in den Funktionskreisen Niere und/oder Blase hin. Allerdings muß diese Vermutung noch durch weitere Untersuchung bestätigt werden. Läßt sich außer der Flugangst auch noch eine Vorliebe für salzige Speisen und eine schwärzliche Hautfärbung (z.B. Augenringe) finden, sowie ein generelles Unwohlsein während der Winterzeit oder Schlafstörungen vor Mitternacht, erhärtet sich der Verdacht auf eine Störung im Funktionskreis Niere/Blase.

Die Behandlung der Flugangst mag nun aus einer Akupunktur-Behandlung des Nieren-Meridians und einer salzarmen Diät bestehen. Oder nach der Reihenfolge der Bezwingung wird zum Verzehr von Süßigkeiten geraten: Erde (Nachdenken, süß) bezwingt Wasser (Furcht, salzig). (Vorsicht: Das Beispiel soll lediglich das chinesische Denken erläutern und kein konkreter Therapievorschlag sein!)

Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß ein Übermaß eines krankheitsauslösenden Faktors ebenso schädlich sein kann, wie ein Mangel daran. Wenn jemand bei der unbedeutendsten Gelegenheit aus der Haut fährt, sind dies übermäßige Anfälle von Zorn. Aber ebenso schädlich ist es, wenn man seinen Zorn permanent unterdrückt und ihn nie abläßt. Ebenso einsichtig ist, daß mangelnde Freude das Herz ebenso schädigt, wie übermäßige Freude (Herzschlag, wenn man einen lange vermißten Menschen unerwartet wieder trifft). Ohne Zucker (Süßes) kann der Mensch nicht leben, aber ein zuviel an Süßem kann zu Krankheit führen.

Für alle Beobachtungen gilt, daß lediglich Abweichungen, die auffällig sind, für die Diagnose verwendet werden. Ist die Haut des Patienten weder besonders blaß, noch besonders rot, sollte nicht versucht werden, die Hautfarbe krampfhaft zu beurteilen. Die chinesische Diagnostik kann so viele Faktoren zur Beurteilung des Zustandes des Patienten heranziehen, daß auf einzelne durchaus verzichtet werden kann.

Behandlung

Als Behandlungsform steht uns die therapeutische Reizung von Meridian-Punkten zur Verfügung. Bei der Akupunktur geschieht diese Reizung durch Nadeln, bei der Tuina-Therapie durch Druck (Akupressur), bei der Moxa-Therapie durch Hitze und bei der Laser-Akupunktur durch Verwendung eines Soft-Lasers. In der Tuina-Therapie wird die reine "Punkt"-Behandlung durch Massagegriffe und Gelenktechniken ergänzt.
Tuina- und Moxa-Behandlung stellen bei Beschwerden am Bewegungsapparat und zum Teil auch bei inneren Erkrankungen einen adäquaten Ersatz für, bzw. eine sinnvolle Ergänzung von Akupunktur-Behandlungen dar.


Bildnachweis
Alle Abbildungen auf dieser Seite: Jörg Preuße

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