Praxis für Krankengymnastik und Physiotherapie, Jörg Preuße, Lübeck

die villa information vom amt für denkmalpflege

Das Äußere...

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine freistehende Villa an der Einmündung der Körnerstraße in den St.-Jürgen-Ring. Der asymmetrische Bau wurde vermutlich um 1897/99 errichtet. Als architektonische Besonderheiten an diesem Putzbau fallen vor allem der hölzerne Wintergartenvorbau und der überdeckte Zugang zur Eingangstür mit offener Bogenstellung auf Säulen mit korinthisch-ionischen Kapitellen auf. Das schiefergedeckte Walmdach ist mit Sprengwerk an den Zwerchgiebeln verziert. Putzumrandungen und Zierbänder strukturieren zusätzlich die straßenseitige Fassade. Krankengymnastik am St.-Jürgen-Ring in Lübeck

Das Innere...

Im Innern des Gebäudes sind viele der für diese Entstehungszeit typischen Ausstattungselemente glücklicherweise bis heute erhalten geblieben. Türen und Fenster, teilweise mit Buntverglasung oder Glasätzung, sowie Stuckzier an den Decken sind auffällige Details der gutbürgerlichen Wohnnutzung zur Jahrhundertwende. Mehrere Räume sind mit aufwendig gestalteten Kachelöfen ausgestattet. Besonders bemerkenswert ist ein Raum im Erdgeschoss des Hauses, dessen Wände mit 3/4 hohen hölzernen Wandpaneelen verkleidet ist. Die darüber liegenden Wandflächen sind rundum mit Wandmalerei ausgestattet. Sie zeigen idyllische Landschaften, Pflanzen und Tiere.
(zu Fotos von den Praxisräumen im Erdgeschoß)

Alte Planskizzen zeigen die ursprüngliche Nutzung verschiedener Räume an. Daraus ist u.a. ablesbar, dass der Haushalt der hier wohnenden Herrschaften durch Dienstmädchen geführt wurde. Deren Zimmer, ebenso wie die Küche des Hauses, befanden sich ursprünglich im Keller.

Krankengymnastik am St.-Jürgen-Ring in Lübeck

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Das Gebäude wurde 1993 als gut erhaltenes Beispiel der bürgerlichen Wohnkultur zur Jahrhundertwende in der Lübecker Vorstadt St. Jürgen in das Denkmalbuch der Hansestadt Lübeck eingetragen.

Wohnen in der Vorstadt...

Das Wohnen außerhalb der Lübecker Innenstadt entwickelte sich erst nach Aufhebung der Torsperre im Jahr 1864. Seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nahm die Bevölkerung der Vorstädte kräftig zu. Dies führte zur Erweiterung von bereits vorhandenen Siedlungskernen im vorstädtischen Landgebiet und zur weiteren Bebauungsverdichtung entlang der Alleen. Die Entwicklung der Industrie in den Vorstadtgebieten bewirkte den Bau von Arbeiterhäusern und -siedlungen. Auch durch private Spekulationen, d.h. Aufteilung und Bebauung privater Grundstücke, entstanden neue Ansiedlungen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden jedoch nicht allein Arbeiterwohnungen errichtet. Vor allem in St. Jürgen wurden durch die Anlage und Bebauung von sogenannten "Privatstraßen" als Stichstraßen von den Alleen erste Anfänge der späteren bürgerlichen Viertel gelegt. In den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in St. Jürgen ehemalige Bleichengrundstücke bebaut. Auf dem Hohen Lande sowie im Dreieck zwischen Kronsforder Allee und Ratzeburger Allee entstanden dadurch bürgerliche Villenviertel.

Schon seit Anfang der siebziger Jahre war in der Öffentlichkeit diskutiert worden, wie man weitgehend durch private Spekulation bestimmte Entwicklung der Vorstädte in planerisch geordnete Bahnen lenken könne. Ein Ergebnis dieser Diskussion war der 1882-1884 von Peter Rehder aufgenommene Bebauungsplan, der nach mehrfachen Änderungen im Jahr 1894 gesetzlich festgestellt wurde. Er orientierte sich in seinem geplanten Straßennetz im wesentlichen an der bereits durch Spekulation vorgegebene Struktur. Die neuen Wohngebiete, die nach diesem Plan und seinen Fortschreibungen bis zum Ersten Weltkrieg zur Ausführung kamen, lagen vor allem in St. Lorenz beiderseits der ehemaligen Reiterbahnen, in St. Gertrud rund um den Stadtpark, in Marli östlich der Marlistrasse und in St. Jürgen beiderseits der Ratzeburger Allee.

(Text: Amt für Denkmalpflege, anläßlich des Tages des offenen Denkmals 1996)

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